Erste und weiterführende Anmerkung zur Schimmelsymbolik
Da es bei Biggy im Text auch um die irische Mythologie geht, die ja eine keltische ist, möchte ich fürs erste dort einhaken und - wie ich es in einem Kommentar gestern bereits tat - die Göttin Epona ins Spiel bringen, ohne allerdings eine persönliche Deutung des Bildes in Bezug zu setzen. Mir ist das Geheimnisvolle immer das gewesen, was mir bleibt, wenn auch - und das hast du ja bereits ganz trefflich herausgearbeitet, dieses Bild den Eros als Grundlage hat, genauer hier: den Inkubus.
Die Verbindung zwischen Thanatos und Eros setze ich als hinlänglich bekannt voraus, füge allerdings noch hinzu, dass der Todesgedanke innerhalb der Erotik gleichzeitig ein Auflösungsgedanke ist, also noch verfeinert werden muss, um ihn wirklich fassen zu können. In meinen Schriften zur Liebe und zur Romantik, die ich gegenwärtig in meinem Journal anbiete, umkreise ich dieses Thema permanent und zwar als solches, dass die Auflösung der Erfüllung gleich kommt – hier ausgehend von Platons Mythenerzählung zur Trennung der Geschlechter.
Egal. Ich beginne mit der keltischen Mythologie. Each. Das Pferd. Symbolisch bezeichnet es hier die Göttin (die urweibliche Kraft – und genau deshalb benutze ich das Pferd gerne auch in meinen Werken; die Verbindung Mutterschoss=Erde, Pferd=das Land, Reise etc.).
Die Pferdegöttin ist die Schutzherrin des ganzen Zyklus von Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt. Die Verbindung zur „Wanderschaft“ als Lebensweg oder Weg als Leben (eines der Hauptmotive der Romantik) ist hier unter Reise zu verstehen, fern der Abwertung heutiger Reisevorstellung – die in früheren Zeiten immer auch eine Initiation meinte oder diese zumindest im Gefolge hatte.
Ein Pferd war leicht und sprang rasch, aufgebäumt und
Kraftvoll, mit langem Körper und mit großen Hufen.
Das andere mit fliegender Mähne und glänzend,
leicht und schlank an Hufen und Beinen.
(Aus „The Cattle Raid of Cooley“)
Diese beiden Pferde ziehen den Wagen des Ulsterhelden Cu-Chulainn. Ihre Namen sind Graue See und Schwarze Möwe. Graue See war hellsichtig und als sie den Tod ihres Herrn vorhersah, weinte sie Tränen aus Blut. Cu-Chulainn ritt in einem Wagen aus Holz und Weiden in die Schlacht, wie es viele irische und britische Krieger taten, noch lange bevor die Kriegsführung mit Wagen anderswo aufgegeben worden war. Die keltische Sitte der Kopfjagd – die Krieger befestigten die abgetrennten Köpfe ihrer Feinde an den Hälsen ihrer Pferde.
Pferdeknochen wurden unter den Fundamenten von Häusern entdeckt, zweifellos um Glück zu bringen, aber auch, um für die Reise in die Anderswelt gut vorbereitet zu sein. Die Verbindung des Pferdes mit Glück besteht ja bis heute in dem Glauben, dass Hufeisen Glück anziehen. Die Druiden und später die Landbevölkerung segneten ein Pferd, indem sie es dreimal im Uhrzeigersinn um einen Steinhügel führten.
Epona
Von der Pferdegöttin Epona stammt das Wort „Pony“ ab. Sie war so beliebt, dass ihr Kult von Gallien nach Britannien nachzuverfolgen ist und sich selbst bis hinunter nach Bulgarien ausgebreitet hat. Sie war auch die einzige keltische Gottheit, die in Rom verehrt wurde, mit einem eigenen Festtag am – ich muss nachsehen – 18. Dezember.
In Bildern von Fülle und Fruchtbarkeit füttert diese Göttin zwei Fohlen aus ihrem Schoss. Auf anderen Bildern hält sie einen Schlüssel, der die Tore zur Unter- und Anderswelt öffnet. (Vergessen wir das mal nicht, um auf Füsslis Nachtmahr zurückzukommen). Epona trug die Seelen der Toten in die Sommerländer oder nach Hy Breasil, dem irischen Paradies im Westen, von dem manche glauben, dass es Brasilien seinen Namen gab. Woran wir allerdings anschließen können ist folgendes: sie wurde nämlich auch als Pferd der Toten gesehen oder als Bringer von Alpträumen. In Schottland bietet sie Reisenden an, sie übers Wasser zu tragen. Aber sobald der Wanderer aufsitzt, wird sie zu einem fürchterlichen Geschöpf mit riesigen Zähnen und langem wilden Haar, das tief in die See taucht und seinen Reiter in die Unterwelt trägt.
Das alles dürfte Füssli nicht unbekannt gewesen sein und die Thanatos/Eros-Beziehung ist nicht ferner Lande. Im eigentlichen bezeichnet das Bild – und wir bleiben somit beim Eros – den Inkubus und den werde ich gesondert behandeln müssen.
Die Verbindung zwischen Thanatos und Eros setze ich als hinlänglich bekannt voraus, füge allerdings noch hinzu, dass der Todesgedanke innerhalb der Erotik gleichzeitig ein Auflösungsgedanke ist, also noch verfeinert werden muss, um ihn wirklich fassen zu können. In meinen Schriften zur Liebe und zur Romantik, die ich gegenwärtig in meinem Journal anbiete, umkreise ich dieses Thema permanent und zwar als solches, dass die Auflösung der Erfüllung gleich kommt – hier ausgehend von Platons Mythenerzählung zur Trennung der Geschlechter.
Egal. Ich beginne mit der keltischen Mythologie. Each. Das Pferd. Symbolisch bezeichnet es hier die Göttin (die urweibliche Kraft – und genau deshalb benutze ich das Pferd gerne auch in meinen Werken; die Verbindung Mutterschoss=Erde, Pferd=das Land, Reise etc.).
Die Pferdegöttin ist die Schutzherrin des ganzen Zyklus von Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt. Die Verbindung zur „Wanderschaft“ als Lebensweg oder Weg als Leben (eines der Hauptmotive der Romantik) ist hier unter Reise zu verstehen, fern der Abwertung heutiger Reisevorstellung – die in früheren Zeiten immer auch eine Initiation meinte oder diese zumindest im Gefolge hatte.
Ein Pferd war leicht und sprang rasch, aufgebäumt und
Kraftvoll, mit langem Körper und mit großen Hufen.
Das andere mit fliegender Mähne und glänzend,
leicht und schlank an Hufen und Beinen.
(Aus „The Cattle Raid of Cooley“)
Diese beiden Pferde ziehen den Wagen des Ulsterhelden Cu-Chulainn. Ihre Namen sind Graue See und Schwarze Möwe. Graue See war hellsichtig und als sie den Tod ihres Herrn vorhersah, weinte sie Tränen aus Blut. Cu-Chulainn ritt in einem Wagen aus Holz und Weiden in die Schlacht, wie es viele irische und britische Krieger taten, noch lange bevor die Kriegsführung mit Wagen anderswo aufgegeben worden war. Die keltische Sitte der Kopfjagd – die Krieger befestigten die abgetrennten Köpfe ihrer Feinde an den Hälsen ihrer Pferde.
Pferdeknochen wurden unter den Fundamenten von Häusern entdeckt, zweifellos um Glück zu bringen, aber auch, um für die Reise in die Anderswelt gut vorbereitet zu sein. Die Verbindung des Pferdes mit Glück besteht ja bis heute in dem Glauben, dass Hufeisen Glück anziehen. Die Druiden und später die Landbevölkerung segneten ein Pferd, indem sie es dreimal im Uhrzeigersinn um einen Steinhügel führten.
Epona
Von der Pferdegöttin Epona stammt das Wort „Pony“ ab. Sie war so beliebt, dass ihr Kult von Gallien nach Britannien nachzuverfolgen ist und sich selbst bis hinunter nach Bulgarien ausgebreitet hat. Sie war auch die einzige keltische Gottheit, die in Rom verehrt wurde, mit einem eigenen Festtag am – ich muss nachsehen – 18. Dezember.
In Bildern von Fülle und Fruchtbarkeit füttert diese Göttin zwei Fohlen aus ihrem Schoss. Auf anderen Bildern hält sie einen Schlüssel, der die Tore zur Unter- und Anderswelt öffnet. (Vergessen wir das mal nicht, um auf Füsslis Nachtmahr zurückzukommen). Epona trug die Seelen der Toten in die Sommerländer oder nach Hy Breasil, dem irischen Paradies im Westen, von dem manche glauben, dass es Brasilien seinen Namen gab. Woran wir allerdings anschließen können ist folgendes: sie wurde nämlich auch als Pferd der Toten gesehen oder als Bringer von Alpträumen. In Schottland bietet sie Reisenden an, sie übers Wasser zu tragen. Aber sobald der Wanderer aufsitzt, wird sie zu einem fürchterlichen Geschöpf mit riesigen Zähnen und langem wilden Haar, das tief in die See taucht und seinen Reiter in die Unterwelt trägt.
Das alles dürfte Füssli nicht unbekannt gewesen sein und die Thanatos/Eros-Beziehung ist nicht ferner Lande. Im eigentlichen bezeichnet das Bild – und wir bleiben somit beim Eros – den Inkubus und den werde ich gesondert behandeln müssen.
Perkampus - 27. Jan, 14:20


Lawine
Ist es nicht unglaublich, was alles in so einem einzigen, relativ überschaubaren, Bild in unzähligen Schichten verborgen ist? Ich denke, dass Füssli selbst wirklich eine Menge davon gewusst haben muss, denn er war auf Reisen, bekam die Welle des Museumsbooms und der ganzen Begleiterscheinungen der Romantik mit, obwohl auch vom Klassizismus (studierte die italienischen Künstler in Rom) beeinflusst, traf sich mit kulturell gebildeten Menschen, las und schrieb selber. Und konnte mit diesem Bild alles (persönliches und kulturelles Erbe, zeitliches Selbstverständnis) auf einen Punkt bringen...
ja
verglichen mit malewitschs schwarzem quadrat ist es selbst da schon formal kompliziert zu sehen.
und selbst die geistige ebene hinter dem nun einfach schwarzen bild ist auch nicht einfach zu verstehen. insofern hast du recht.
blumenkitschstillleben oder venezianische kitschlandschaften bei aldi als serie verkauft, sind schon einfach. es gibt keine zweite ebene hinter ihnen außer stumpfsinn.
das würde mich schon
klar, mit phantasie ausgerüstet, kann man jedem alles verkaufen. aber du weißt schon, was ich meine- denn in deinem blog redest du beinahe täglich von der scheußlichkeit rein beschreibender kunst.
natürlich
jo
wir sprechen ja auch ständig mehrdeutig auslegbar ;)